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Was ist agiles Arbeiten?

Agiles Arbeiten
Update: 15.09.2019

Lesezeit: 4 Minuten

Agiles Arbeiten

Zwei Wörter, auf die man momentan immer wieder stößt: Agiles Arbeiten.

Was bedeutet eigentlich agiles Arbeiten?

Agiles Arbeiten beschreibt die Beweglichkeit oder Wendigkeit eines Unternehmens sich auf geänderte Markt-/Rahmenbedingungen einzulassen, neue Lösungen zu entwickeln und zeitnah am Markt zu veröffentlichen.

Geschichte des agilen Arbeitens

Zum Ende des 2. Weltkriegs waren schnelle Lösungen gefragt, um den Krieg zügig zu beenden. Ein Konstrukteur eines amerikanischen Rüstungsunternehmens erhielt 1943 den Auftrag innerhalb von 180 Tagen einen neuen Kampfjet zu entwickeln.

Dieser trommelte daraufhin alle notwendigen Personen in einem Zelt zusammen, ließ sie gemeinsam etwas entwickeln und präsentierte nach nur 143 Tagen den P80 Kampfjet.

Die Grundidee des agilen Arbeiten war geboren.

Zu Beginn der 2000er hielt agiles Arbeiten Einzug in die Software-Entwicklung und leutete die Geburtsstunde des agilen Manifests ein, welches die Werte und Prinzipien des agilen Arbeiten beschreibt.

Agiles Arbeiten erfordert ein Umdenken

Die deutsche Perfektion. Ein Zeitfresser, der in Zeiten der Digitalisierung Unternehmen ruinieren kann.

Unternehmen müssen in die Position kommen in der sie agieren anstatt nur zu reagieren. Die Zeiten, in denen man einen Mitbewerber kopiert verschlingt meist so viel Zeit, dass zum Zeitpunkt des Marktstarts dieser bereits schon wieder 10 Schritte voraus ist.

1. Aus Nutzersicht denken

Der “Golden Circle” von Simon Sinnek ist ein sehr hilfreiches Werkzeug, um Bedarf und Nutzen relativ einfach zu ermitteln. Es geht dabei um die drei folgenden Fragen:

  • Welches Problem des Kunden möchte das Unternehmen lösen?
  • Wie kann das Unternehmen dieses Problem lösen?
  • Und welches Produkt entsteht daraus am Ende für den Kunden?

Buzzword: Customer Centricity

2. Groß denken, aber in kleinen Schritten gehen

Zahlreiche Arbeitsmethoden basieren auf diesem Prinzip. Drei der wohl bekanntesten sind:

  • MVP
  • Lean
  • Kaizen

Jedes Unternehmen sollte sich daher zu Beginn eines Projekts die Frage stellen: Was benötigt der Kunde im ersten Schritt, um sein Problem bereits zu lindern (nicht vollständig zu lösen)?

Der MVP wird auch von mir in meinen Projekten angewandt. Mein Wissen und viele Praxiserfahrungen dazu teile ich regelmäßig in meinem Workshop “MVP – Minimum Viable Product”

3. Die Türen im Unternehmen öffnen

Die Zeiten, in denen jede Abteilung für sich kämpft sind vorbei. Viele Projekte, die eine Abteilung an den Start bringen möchte, bedarf der Unterstützung mindestens einer anderen Abteilung.

Ein Beispiel:
Die Marketingabteilung möchte gerne eine Kampagne starten. Folgende Abteilungen sind daran in der Regel beteiligt:

  • Marketing – Entwicklung der Kampagne,Auswahl der Kanäle
  • Design – Gestaltung der benötigten Werbemittel
  • Entwicklung – technische Umsetzung der Werbemittel, Einbindung Trackingcode
  • Reporting – (wirtschaftliche) Auswertung der Kampagne
  • Buchhaltung – Rechnungsbegleichung

Jede Abteilung trägt ihren Teil zum Projekt bei.

Wertschätzung und Verständnis sind dabei enorm wichtig, denn schließlich steht über jeder Person derselbe Unternehmensname und die gleiche Vision!

4. Priorisieren - denn die Ressourcen sind endlich

Die Anzahl an digitalen Fachkräften ist besonders in Deutschland stark begrenzt. Und das nicht nur in der Entwicklung, die meist als Sündenbock herhalten muss, wenn Projekte nicht rechtzeitig fertig werden. Denn das ist der falsche Weg! Anforderungen müssen genau beschrieben werden und anschließend im gesamten Unternehmenskontext bewertet werden. Denn nicht immer muss Umsatz das wichtigste Ziel sein. So können beispielsweise Maßnahmen zur Haltung von Mitarbeitern wichtiger sein, um wertvolles Wissen im Unternehmen zu halten und die laufende Arbeit bewältigen zu können. Für die Priorisierung von To-Dos verwende ich zwei Hilfsmittel bzw. Methoden sehr gerne. Es handelt sich dabei um das Lean UX Canvas und OKR.

5. Scheitern ist erlaubt (- ja sogar gewollt)

Es ist keine Schande hinzufallen, aber ist eine Schande, einfach liegen zu bleiben – sagte schon Theodor Heuss.

Klein denken, testen, echtes Kunden-Feedback einholen und optimieren. Das sind die Schritte zum Erfolg. Und selbst wenn eine Idee keinen Erfolg hat und begraben wird, so ist es dennoch ein Erfolg für das Unternehmen. Denn es hat viele Erkenntnisse gebracht. Und durch den Einsatz agiler Arbeitsmethoden erkennt man Misserfolg relativ schnell. Der “verlorene” Einsatz hält sich durch im Rahmen.

Und irgendwie ist agiles Arbeiten dann doch wieder “typisch deutsch”, denn absichern tun wir uns doch gerne, was wir mit dem schrittweise Herantasten unserer “Idee” am Markt tun, oder etwa nicht? 🙂

Agiles Arbeiten - keine Lösung aus der Schublade​

Agiles Arbeiten ist keine Lösung, die auf dem Papier steht. Sie unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Über den Erfolg agilen Arbeitens entscheidet der Mensch, denn agiles Arbeiten ist vor allem eins – Kopfsache.

Damit agiles Arbeiten auch in Deinem Unternehmen funktioniert, solltest Du folgende Punkte beachten:

  • Agiles Arbeiten muss von einer Person eingeführt und geleitet werden, die Leute begeistern und die Vorteile vermitteln kann (auch wenn es im ersten Moment nach Mehrarbeit ausschaut)
  • Kleine Testprojekte mit Mitarbeitern starten, die Lust auf eine neue Herausforderung haben
    Die Testprojekte gemeinsam auswerten und Abläufe optimieren
  • Weitere Mitarbeiter durch neue Projekte mit einbeziehen
  • Immer wieder Feedback einholen und optimieren
  • Und ganz wichtig – agiles Arbeiten soll Spaß machen und den Arbeitsalltag erleichtern. Dies muss immer wieder vor Augen geführt werden und ernst gemeint sein

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Dominik P. Müller ist Gründer von SCHREIBTISCHHELD

Dominik P. Müller

ist freiberuflicher Senior Product Owner und der Kopf im Helm hinter SCHREIBTISCHHELD. Sein in über 14 Jahren im digitalen Dschungel gewonnenes Wissen vermittelt er in spannenden Themen und praxisnahen Beispielen. Dabei bleibt er immer seinem Motto treu – digitales Wissen, einfach vermittelt (statt Buzzword Bingo).

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